1965-1973 1. Ehe, 1. Firma, 1. Pleite

Langeweile bei der Messe

da war ich mitte der sechziger in einer firma als außendienst-mitarbeiter tätig, wo gerade die stehpulte und ärmelschoner abgeschafft waren. meine aufgabe war, diamantwerkzeuge an die industrie in ganz österreich zu verkaufen. diamantwerkzeuge, in denen ganze industriediamanten, splitter, oder gebundene körnung zum schleifen, schneiden, drehen verwendet werden. bekanntestes diamantwerkzeug ist der glasschneider, obwohl du ja heute schon diamanttrennscheiben im baumarkt kaufen kannst.alles hochtechnische werkzeuge und anwendungen, sehr interessant, kunden waren firmen wie voest, oder eumig (war damals noch eine spitzenfirma). aber die firma war ein wahnsinn! der chef ein cholerischer despot, die mitarbeiter dementsprechend kriecher und schleimer. da diese tätigkeit aber interessant und sehr gut bezahlt war, hab ichs doch vier jahre ausgehalten.

aber dann hatte ich doch genug und wechselte zu polaroid, wo ich ausweissysteme und passbildkameras verkaufte. eine superfirma, superprodukte, nette chefs und kollegen, super firmenauto, gute bezahlung, gute aufstiegschancen in einem weltkonzern. wast willst noch mehr?

Mit Polaroid-Kollegen beim Heurigen

na ja, manchen liegt die blödheit im blut und so machte ich einen der größten fehler meines lebens. die ganze zeit ging mir das depperte diamantwerkzeug nicht aus dem kopf, um wieviel besser ich das alles machen könnte und wieviel geld ich dann

verdienen würde. also verließ ich polaroid wieder und machte mich selbstständig. einfach so, ohne nix. kein geld, keine kaufmännische erfahrung, keine unterstützung aus der familie, nix! na gut ich hatte hervorragende produktkenntnisse und ein paar gute vertretungen, war recht gut in anwendungen und ein ganz guter verkäufer. aber das war halt ein bissl zweng.

nach zwei jahren, ich machte gerade so meine 10.000 euro monatsumsatz (was eh super war) kam die erste erdölkrise und mein ende. die banken gaben mir keinen kredit mehr und ich hatte 80.000 euro schulden. insolvenz, ausgleich, finito.

die nächsten dreißig jahre lang habe ich gegrübelt, warum das so gekommen ist und was ich hätte anders und natürlich besser machen können.

der größte fehler war, daß ich zu schnell aufgegeben habe, was sind denn schon 80.000 euro schulden? gerade fingen die umsätze an interessant zu werden, ich hatte gute produkte und bereits einige zufriedene Stammkunden.

hätte ich damals meine heutige frau, meinen heutigen steuerberater, meinen heutigen anwalt und meine heutige erfahrung gehabt, dann wäre ich heute ein reicher mann und meine familie hätte mich auch noch lieb.

von meiner damaligen ersten frau, ich will nicht viel über sie sagen, hatte ich keine unterstützung. so mußte ich mir eine sekretärin leisten, weil sie nicht im stande war, die einfachsten büroarbeiten zu machen. tennis spielen und mit freundinnen kaffee trinken hatte da vorrang.

Happy Family Life

überhaupt meine familie. ich hatte mein minibüro im haus meiner eltern, das war auch schon die einzige unterstützung. mein vater, herrscher über 200 leute in einer abteilung der semperit und zu hause ein pascha, hatte für meine selbstständigkeit überhaupt kein verständnis und meine mutter war zu beschränkt um da was zu begreifen. wie´s dann abzusehen, war, daß ich am ende war, da hättsd dabei sein müssen, was ich mir da anhören hab müssen. „das kann man doch nicht…., da muß man halt….., da hättest eben…, warum hast denn nicht…..“

da hatt keiner gsagt, „na komm, so schlimm ist das noch nicht, das stehn wir schon durch….“ auch meine liebe frau nicht.

na und meine professionellen berater!

mein steuerberater (herr dkfm j.l.) meinte nur “ na ja, sie sind überschuldet, da müssns insolvenz anmelden.“ basta! klar, rein von der buchhalterischen seite war das und nix anderes richtig. ein menschliches wesen (keine buchhalterseele) hätt halt gsagt: „na ja schauns halt, obs noch a bissl geld auftreiben können (vielleicht von den eltern), wartens halt a bissl mit den lieferantenrechnungen (redens mit denen, das ist sicher kein problem), die umsatzentwicklung ist gut, das wird schon werden, das müssens halt durchstehen“. nein, der hat gsagt „ich muß ihnen das sagen, sie sind pleite, nehmens ihnen einen anwalt und meldens insolvenz an“

da bin ich zu einem anwalt gegangen (herr dr. g.g.) bei dem wars das selbe: „ja da melden wir halt einen ausgleich an, das mit meinem honorar ist so….“ keine beratung, was man sonst noch machen könnte, war ihm auch wurscht, wer war ich schon.

und dann mein sachverwalter (herr dr. p.p.) na der hat mir gleich das wilde obagramt „wenn sie das und jenes nicht so machen, dann ….“ dunkles verlies bei wasser und brot, ewige verdammnis und so. hab ich fast in die hose gemacht beim ersten gespräch. inzwischen hat er sich zu tode gesoffen, dieses….

Nach der Pleite mit meiner Dackelin „Hexe“

na da war ich kaum dreißigjähriges bürscherl ganz schön angschütt! ganz allein mitten drin, keine unterstützung durch frau und eltern, verlassen von beratern, die auf die formale distanz gingen.

jetzt will ich das nicht so darstellen, als ob ich vollkommen unschuldig gewesen wäre und alle anderen wären schuld gewesen. natürlich hatte ich meine schuld. vor allem war ich kaufmännisch vollkommen unerfahren, hatte keine erfahrung im umgang mit banken und schulden. mein umgang mit geld war immer schon ein lockerer und ich war zu großzügig wenn es um ausgaben ging. nicht daß wir im luxus gelebt hätten, aber das eine zu viel (zu früh) gekauft, angestellte, die nicht notwendig waren, so sachen halt.

sicher aber war ich nicht zu faul! das ärgert mich immer noch gegen besseres wissen, wenn meine mutter wieder anfangt: „na ja wenn man um 10.00h erst aufsteht…., zu mittag erst ins büro kommt….“

da bin ich einmal um 4.00h früh von einer dienstreise nach haus gekommen und hab um 10.00h noch geschlafen, als frau mutter anrief, das hat sie nie vergessen. und ein andermal bin ich erst mittags, oder später ins büro gekommen, weil ich vormittag eben kunden besuchen mußte,  zu mir ist nämlich keiner gekommen.

stimmt schon, ich war kein frühaufsteher und vor neun war ich nie im büro, oder beim kunden, aber das ist im verkauf eben so üblich. andererseits hab ich oft bis in die morgenstunden gearbeitet, aber das hat niemanden interessiert.

also der langen rede kurzer sinn: ich war ein junges, naives, unerfahrenes bürscherl mit leichten charakterfehlern, dafür aber ohne jegliche unterstützung. wenn mir das heut passieren würde, mit der linken backe würd ich das in ein paar monaten absitzen. aber es war eben so wie´s war und so war ich eben chancenlos.

diese pleite hat mein ganzes weiteres leben bestimmt und verfolgt mich noch heute. doch heute habe ich die weisheit und gelassenheit des alters und meine kleine familie die mir hilft.

da gabs dann noch ein paar sachen, aber das sind andere geschichten.

Baden, August 2006

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