Jugend, Pubertät, etc

war ich in der volksschule noch ein braver musterschüler, änderte sich das in der mittelschule schnell. von meiner großmutter zuhause geknechtet, von meinen eltern wenig beachtet, suchte ich bei meinen mitschülern um anerkennung indem ich den klassenkasperl spielte.

mit vierzehn jahren dann die erste ernste fehlentscheidung meines lebens, meine eltern schickten mich in die bundesgewerbeschule für elektrotechnik (heißt heute htl sowas). mein vater war auch dort gewesen und was für ihn gut war, konnte doch auch für mich nicht falsch sein. wars aber. falls ich eine meinung dazu hatte, war sie jedenfalls nicht entscheidend.

so war dann auch diese schule ein einziges fiasko. relativ schwierig und für einen technisch wenig interessierten wie mich ein schmarrn. so war ich mehr im strandbad in baden, oder sonstwo, als in der schule und schaffte mit ach und krach die dreijährige fachschule.

wesentlich mehr interesse fand ich für meine freunde und die pfadfinder bei denen ich mit begeisterung mitgemacht habe.

nach beendigung der fachschule in mödling, hat mein vater mir einen job in der semperit besorgt, wo er inzwischen abteilungsleiter und damit ein hohes viech war. am anfang wars mir eigentlich wurscht wo, wie, was ich arbeitete, hauptsache nicht mehr in die schule gehen müssen.

wien, frühjahr 2005

Kindheit

die geschichte meiner kindheit ist insofern bemerkenswert, als ich gegen ende des 2. weltkrieges in der tschechei geboren wurde, die nächsten zwei jahre aber in berlin lebte. mein vater arbeitete dort in einem labor an der entwicklung des radars, seine laufbahn war dementsprechend weniger kriegerisch. meine mutter hat er sich irgendwie aus sudetendeutschland geholt, wo sie als tochter von bauernsleut gelebt hatte. karlsbad, marienbad so diese gegend.zu ende des krieges haben die russen dann gesagt, daß die österreicher schaun solln, daß sie nach hause kommen. das war ein grosses glück für uns wie sich später gezeigt hat.

natürlich war die heimfahrt zu dieser zeit etwas beschwerlich, rein in den viehwaggon, raus aus demselben, übernachten auf freiem feld, papa geht erdäpfel stehlen, inzwischen wird der einzige koffer gestohlen und so halt. ich hatte mich dann einer ruhrepedemie angeschlossen und auch sonst wars eine nette kleine reise, die ein paar monate gedauert hat. aber mein gott, wir haben ja sowieso nix anders vor gehabt in der zeit.

irgendwann sind wir dann doch in pfaffstätten bei baden bei wien in österreich eingetroffen, wo die mutter meine vaters wohnte und wo über ihr noch eine kleine wohnung frei war, die wir dann die nächsten fünfzehn jahre bewohnten.

die strasse in der wir wohnten hieß wüstegasse und der name war wirklich passend, den damals war das eine schotterstrasse mit ein paar häusern. der heimweg von der volksschule war völlig gefahrlos, denn ein auto kam nur einmal in der woche vorbei.

mein vater fand einen job in der semperit (reifenfabrik, waßt eh!), wo er bis zu seiner pensionierung arbeitete und meine mutter arbeitete in einer nahen kartonagefabrik, die hauptsächlich schachteln für den damals sehr populären matador-baukasten erzeugte.

ich blieb unter der sehr strikten aufsicht meiner großmutter, der vorher erwähnten mutter meines vaters.

der wechsel des jahrzehnts stimmte so ziemlich mit meiner einschulung in die volksschule in pfaffstätten überein.

wien, frühjahr 2005

Wurzeln

eigentlich weiß ich ja nicht zu viel über meine vorfahren. einige sind schon weit vor der zeit an die ich noch erinnerungen habe gestorben, die anderen haben mich als kind und jugendlicher kaum interessiert. kontakte waren meistens pflichübungen, die keine große begeisterung hervorgerufen haben. erst in letzter zeit, wo es natürlich schon viel zu spät war habe ich mich für meine vorfahren interessiert.

wenn man meinen stammbaum betrachtet, dann kann man wirklich sagen, daß ich ein echter österreicher bin. väterlicherseits gutbürgerliche vorfahren aus allen teilen der alten monarchie: ungarn, slowenien, polen. mütterlicherseits bauern, seit jahrhunderten im sudetenland ansässig.

mein großvater väterlicherseits, ist in der nähe von kattowitz geboren, war dann zunächst apotheker in krakau und ist dann nach dem ersten weltkrieg nach haslach in oberösterreich übersiedelt, wo er wieder eine apotheke hatte. in haslach ist auch mein vater geboren. nachdem mein apotheker-opa bald gestorben ist, sind oma und papi nach wien übersiedelt. meine oma war eine lustige witwe und wollte die freuden der roaring twenties richtig genießen. also wurde papi in ein heim verfrachtet, was ihn nicht immer froh machte. omi war derweilen beamtin bei der post, was ihr zunächst eine ruhige kugel im job und später eine schöne pension verschaffte.

dann in den dreißigern hats ihn nach mödling in die heutige htl verschlagen. weils ihm dort so gut gefallen hat, hatte ich dann später auch das vergnügen. laut eigener aussage, hat er den abschluß (ingenieur-radiotechnik) nur deswegen geschafft, weil herr hitler gerade dabei war einen krieg anzufangen und dazu braucht man neben dem üblichen kanonenfutter auch jede menge leute, welche die kanonen samt zubehör konstruieren und bauen.

also hat mein vater nachdem ihn die htl mit freuden hat ziehen lassen, einen job bei telefunken in berlin bekommen. dort war er in einem labor beschäftigt, welches an der entwicklung von radarsystemen herumgebastelt hat. nachdem das ein kriegswichtiges projekt war, blieb meinem vater auch, bis auf ein paar monate ausbildung, der militärdienst erspart. was ja kein geringer vorteil war.

meine gr0ßeltern mütterlicherseits waren in einem kaff namens mautdorf in der nähe von tachau (tachóv) ansässig. bauern wie schon erwähnt. jede menge verwandschaft in der gegend und unheimlich gesunde leute. darauf baue ich meine hoffnungen, daß ich eine menge ordentliche gene aus dieser richtung habe.

mein großvater war ein ganz ein lustiger. in seiner jugend war er ein paar monate beim militär in wien eingezogen und ist dann auch für österreich in den 1. weltkrieg gezogen. für den 2. weltkrieg war er dann schon zu alt. die ganze familie wurde zu kriegsende von den tschechen, die offensichtlich genug hatten von den deutschsprechenden, vertrieben und siedelten sich dann in der nähe von bamberg in oberfranken an. dort arbeitete er dann, mangels eigenen bodens, bei allen möglichen leuten als gärtner. auch ein gesunder job.

so verwundert es nicht, daß er trotz gelegentlich reichlichem alkohol- und nikotingenuß 97 jahre alt wurde, top fit bis zum schluß. meine großmutter wurde auch 93 jahre alt, also erwarte ich mir aus dieser ecke schon ein paar gsunde gene, so daß auch mir, trotz gelegentlich reichlichem alkohol- und nikotingenuß, noch ein paar jahrzehnte bleiben.

die vier kinder meiner großeltern wurden bauern und später soldaten (die mannder) und die moidln (madln – mädchen) lernten ordentliche berufe, meine mutter wurde schneiderin. zu kriegsbeginn wurde sie zum arbeits dienst nach berlin eingezogen.

irgendwie haben sich dann die wege von papi und mami in berlin gekreuzt. 1942 haben die zwei dann in tachau geheiratet und dort habe ich dann auch das licht der welt erblickt, die damals grad nicht so sehr lustig war.

so kam es, daß ich nach beendetem heimaturlaub, die ersten beiden jahre meines lebens in berlin verbrachte, wo ja damls einiges los war.

baden, sommer 2007