1985 -1989 Osthandel Finale

ja wo sind wir stehen geblieben? ja richtig, also ab herbst 1985 begann ich meine geniale idee zu realisieren, was gar nicht so einfach war, du mußt dir vorstellen ich war permanent pleite. auch die beste idee mußt amal verkaufen und das fangt mit dem suchen möglicher interessenten an. adressen kann man kaufen, oder mühsam aus dem telefonbuch abschreiben.

Reagan und Gorbatschow unterzeichnen den INF Vertrag

dann mußt einen klassen text verfassen und an so viele wie möglich mögliche interessenten verschicken. da sitzt dann locker ein paar stunden und schleckst briefmarken, die du vorher teuer erstanden hast. dann schickst deine paar hundert briefe und wartest an den fingenägeln kauend auf antworten.

oh wunder, innerhalb von ein paar wochen hatte ich ein paar firmen gefunden, die bereit waren mich zu sponsern. also ab jänner 1986 war ich wieder in osteuropa unterwegs.

zunächst hatte ich nur ein paar firmen, die sich an meinen reisekosten beteiligte, also hieß es sparen.

nie werde ich meine erste reise nach warschau vergessen. von fliegen war natürlich keine rede, so fuhr ich mit dem schlafwagen per bahn nach warschau. es war der 17. jänner als ich so gegen halb acht in warschau ankam. es war klirrend kalt und als ich aus dem bahnhof heraus kam warteten ungefähr hundert leute auf ein taxi.

ich hatte die adresse der familie einer freundin meiner dritten exfrau, wo ich zunächst schlafen konnte. aber wie man mit öffentlichen verkehrsmittel dort hin kam, keine ahnung. also mußte ich ein taxi nehmen.

ich hatte aber wirklich keine lust eine stunde in dieser saukälte zu warten. nun hatte ich eine meiner wenigen kostbarkeiten, die ich aus besseren herüber gerettet hatte, bei mir, einen wunderbaren samsonite-koffer. als träger eines solchen konnte ich sofort als kapitalistischer westler identifiziert werden. ich stellte mich hundert meter vor die schlange am taxistand und den wunderbaren koffer vor mich. und welcher anfänger hätt sich das gedacht, innerhalb einiger minuten hielt ein taxi bei mir und fragte mich „where do you want to go?“ worauf ich im meinen zettel mit der adresse zeigte (aussprechen konnte ich sie damals noch nicht). In zehn minuten war ich an meinem Ziel und zehn dollar ärmer. ein pole hätte zwar mindestens eine halbe stunde in der kalten schlange gewartet, hätte aber auch nur fünfzig cents bezahlt. jetzt weißt auch warum der anblick neines samsonites den taxler so erfreut hat.

Segeltörn in der Adria 1987

na da war ich da bei den eltern der freundin meiner exfrau. die waren erdrückend gastfreundlich, räumten mir ein zimmer, ich hatte alles was ich brauchte, aber trotzdem war ich nicht so recht glücklich. ich wäre lieber allein gewesen, in einem hotel z.b. ist man unabhängiger, braucht keine rücksichten nehmen usw. aber die nacht in einem halbwegs vernünftigen hotel kostete ab hundert dollar und das war in meinem budget einfach nicht drinnen.

da war noch das problem mit der fortbewegung. mit dem auto z.b. nach polen zu fahren, kam speziell im winter nicht in frage. strassenbahn und busse sind schon ein problem, wen man sich auskennt und die landessprache beherrscht. fliegen war zwar schnell und bequem, aber die kosten waren mit meinen finanziellen mitteln nicht zu vereinbaren.

für die längeren distanzen wählte ich zug und schlafwagen, das war einigermaßen preisgünstig und ob ich die nacht irgendwo im bett verbrachte, oder im schlaf 700 kilometer hinter mich brachte, war schon egal. und war auch recht spannend und abenteuerlich.

blieb nur noch das problem der lokalen fortbewegung. da besann ich mich meiner privaten kontakte, einer davon war der goldschmied, der die eheringe für meine dritte ehe fabriziert hatte. einer der wenigen privaten gewerbetreibenden, war er der beste mann um neue kontakte zu knüpfen.

und was soll ich dir sagen, eine stunde, drei wodka und ein bier später hatte ich meinen exklusiven taxidriver und eine wohnung die mir beide während meiner aufenthalte in polen, das waren so 7 – 10 tage monatlich, zur verfügung standen.

für die wohnung zahlte ich fünzig dollar monatlich und der taxler, übrigends ein magister der soziologie, war mit zwanzig dollar mehr als happy. mich kostete das im monat weniger, als andere für eine einzige nacht in einem nicht mal so besonderen hotel blechten.

meine partner waren sehr zufrieden, erinnerst dich, der durchschnittsverdienst in polen lag zu dieser zeit immer noch bei ca. dreißig dollar monatlich.

die wohnung war die des bruders meines goldschmiedefreundes, war ganz günstig gelegen und bot mir den komfort einer eigenen wohnung. ich mußte nicht mehr wegen jeder kleinigkeit ins restaurant gehen, hatte meinen gefüllten kühlschrank, ein telefon, das manchmal funktionierte und auch sonst fast alles was ich brauchte. nachdem mir die frau des vermieters meine wäsche wusch brauchte ich auch nicht mehr unnötig unterhosen und zahnbürstl quer durch europa schleppen.

ganz ideal wars aber immer noch nicht, nachdem ich die wohnung doch nicht ganz allein hatte, die familie die dort normal wohnte verließ diese nur während meiner anwesenheit und wohnte in der zeit bei irgenwelchen verwandten. und nachdem mir dann der wohnungsinhaber mein bier weggetrunken hat und meine seife und zahnpasta weggekommen ist, habe ich eine neue bleibe gesucht.

nach einem kurzen zwischenstopp im atelier einer malerin, wo ich mein erstes bild kaufte, fand ich dann die ideale wohnung. das war eine kleine dreizimmerwohnung, hübsch eingerichtet und lag direkt am rand der warschauer altstadt (bonifraterska, falls dir was sagt) dort blieb ich dann auch bis ende 1987, bis meine zukünftige (vierte) frau meinte, erstens ist die wohnung zu klein und zweitens gehn ihr die ständigen damenanrufe auf die nerven. na ja ich war in einer zwischenehelichen jungesellenphase und hab da schon mein leben genossen.

Ibins 1988

der taxler war auch ein glücksgriff, ein netter intelligenter bursch, der ein ganz gutes englisch sprach und der für mich bald unentbehrlich war, sowohl beruflich als auch privat. wenn ich meinen nächsten warschauaufenthalt fixiert hatte rief ich ihn an und wenn ich am bahnhof ankam war er schon da. er führte mich zu allen meinen terminen, ging mit mir einkaufen, half mir bei privaten kontakten und stand mir praktisch 24 stunden täglich zur verfügung.

jetzt wirst vielleicht sagen ich habe die armen leute ausgenutzt, aber das ist natürlich a bledsinn. das war für alle beteiligten eine win-win-situation.

der vermieter meiner wohnung bekam von mir monatlich 100 dollar (ja die wohnung in der bonifraterska war a bissl teurer), damit hat er sich jeden monat drei monatsgehälter dazuverdient. wenn er die wohnung an einen polen vermietet hätte, würde er vielleicht 10 dollar erhalten haben, wenn er überhaupt einen gefunden hätte.

mein taxler war auch happy, er bekam für eine woche arbeit soviel wie die meisten seiner studienkollegen in einem monat verdienten. er ging mit mir täglich mindestens einmal in eines der besten >>restaurants<< warschaus, am abend in einen der >>nachtklubs<<, die damals in jedem größeren hotel waren, rauchte meine guten rothmans und außerdem tauschte ich mein schwarzgeld bei ihm.

also ein tolles arrangement für alle. neben polen bearbeitete ich noch die ddr, cssr und ungarn. die anderen länder wollte ich später angehen, aber dazu kams nicht mehr, weil ich mich mehr und mehr auf ungarn und polen konzentrierte. nachdem das system in warschau so gut funktionierte, habe ich mir auch in >>budapest<< eine wohnung gemietet (super am roza domb in der bimbo utca gelegen) auch für 100 dollar im monat. einen assistenten hatte ich auch bald, doch da die taxler in ungarn einigemaßen seriös waren, brauchte ich keinen chauffeur und das leben insgesamt war in budapest viel angenehmer, so daß sich seine dienste nur auf gelegentliche hilfen und vermittlungen beschränkte.

im wesentlich war ich dann im dreieck unterwegs, zehn tage in wien, zehn tage in warschau, zehn tage in budapest. überall hatte ich eine wohnung, die mit frischen unterhosen und gepflegten getränken bestück war. prag und berlin erledigte ich nur auf der durchreise, anreise morgens per schlafwagen, abreise abends per schlafwagen, kaum daß ich mal dort übernachtete.

alles in allen eine lustige unbeschwerte zeit und das beste ich war meinen gläubigern entronnen und konnte wieder ruhig schlafen. reich geworden war ich immer noch nicht, aber ich hatte mein auskommen.

ich habe damals einen wiener werkzeugmaschinenhändler im osten vertreten und dann auch die ersten maschinen in ungarn verkauft und auch in polen schon einige konkrete geschäfte in aussicht. so konzentriert ich mich dann nicht nur gebietsmäßig auf polen und ungarn sondern auch vertretungsmäßig auf diese firma.

dann kam das jahr 1989, welches für ganz osteuropa die politische wende zur demokratie brachte. natürlich war damit auch eine wirtschaftliche wende verbunden. unter anderen verschwanden die außenhanelsfirmen und die ehemaligen comecon-länder wurden zu ganz normalen märkten. das heißt kunden aquirieren, deine produkte anbieten, verkaufen, installieren, reparieren und das alles.

dafür war es notwendig (und erstmals möglich) eine private firma zu gründen, was ich dann gemeinsam mit meiner neuen frau auch gemacht habe. aber das ist eine neue geschichte.

wien, frühjahr 2005

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