Essen und Trinken im realen Sozialismus

ich war einige jahre in österreich als verkäufer im außendienst unterwegs, ein reisender, oder keiler wie man so sagt.

das ist einerseits ein klasser job, weil du verdienst gut, triffst interessante leut, kannst dir deine zeit relativ frei einteilen und so weiter.

andererseits ists verdammt hart bei jedem wind und wetter unterwegs sein zu müssen. reklamationen der kunden entgegen nehmen zu müssen, ohne dem kunden die meinung sagen zu dürfen. immer guter laune zu sein, auch wenns dir gar nicht danach ist und so weiter.

da ist es dann immer ein großes vergnügen gewesen am abend eine gute zeit in einem freundlichen restaurant, oder gasthaus zu verbringen, bei einem kühlen bier, einem gepflegten glas rotwein und einem guten essen. und das war in österreich immer schon ohne probleme auch im hintersten winkel leicht zu finden. ich möchte nicht behaupten, daß ich auf meinen dienstreisen durch österreich nie schlecht gegessen habe, aber sehr, sehr selten.

wenn ich mich da erinnere an die verschiedenen fixpunkte in den verschiedenen städten. da war in linz auf der westlichen seite des hauptpatzes in einem haus im ersten stock ein restaurant, ich hab den namen vergessen, da hab ich mich schon immer gefreut hin zu kommen. oder in salzburg unter der hohenfeste das „weiße kreuz“, das war sicher eines der ersten restaurants, die balkanküche angeboten haben.

dann dieses gasthaus mit angeschlossener fleischhauerei und ein paar gästezimmern in bergheim, „gmachl“, ein wahnsinn die salzburger nockerln, oder das gordon bleu, oder, oder…

na und in wien schlecht essen zu gehen war fast unmöglich, an jeder ecke ein nettes restaurant, beisl, oder heuriger.

da hab ich ein paar jahr bei polaroid gearbeitet, die hatte damals ihr büro im dritten bezirk, gleich ums eck von einem edelgasthaus namens „steirereck“. heute ein lokal, das in österreich jeder kennt, mit der größten menge an sternen, hauben und sonst was, kurz das beste restaurant österreichs. und dort habe ich ende der sechziger jahre täglich mein mittagessen eingenommen. damals wars noch ein geheimtipp, ein gasthaus der gehobenen klasse, erstklassige küche, aber noch zu bürgerlichen preisen.

solcher art verwöhnt kam ich dann nach osteuropa. und das war mit wenigen ausnahmen ein horror.

um die ausnahmen vorweg zu nehmen, in ungarn und der cssr konnte man, wenn man sich auskannte einige gute restaurants finden, aber sonst… grrrrrr.

da war leider polen, wo ich die meiste zeit verbrachte, am schlimmsten. in warschau gut zu essen, war nur möglich wenn man sich selbst kochte. ein restaurant in der qualität eines gmachl, oder weissen kreuzes zu finden war unmöglich, ein steirereck sowieso nicht.

ich hatte immer den eindruck, daß das personal der restaurants eigens geschult wurde, wie man ein steak lederhart brät, oder eine suppe punktgenau so lange stehen läßt bis sie genau so kalt is, wie das bier sein sollte. oder daß man rotwein im kühlschrank lagert, den weißwein dagegen knapp über zimmertemperatur.

wenn nur die erdäpfel kalt gewesen wären, oder nur das fleisch zäh, die suppe versalzen, oder der salat ohne jedes frische gemüse, das wäre noch zu ertragen gewesen. aber nein, da traf alles zusammen.

das war in warschau, einer stadt etwa in der größe von wien, da wars noch relativ am besten. da mußt du dir aber vorstellen, in warschau gabs damals laut fremdenverkehrsprospekt 37 (!) restaurants. davon konntest du als westler gerade mal in 10 davon gehen, die restlichen waren unter jeder kritik.

sonst in osteuropa waren die besten restaurants in den internationalen hotels, wie hilton, intercont, etc. aber auch die waren in warschau nix bsonderes. das beste war ein restaurant im „intraco2“, das war ein bürohochhaus im nordwesten warschaus und drüben auf der anderen seite der weichsel das „napoleon“, aber sonst, nein „speisen“ konnte man in warschau nirgends, halt nahrungsaufnahme minimiert aufs notwendigste.

aber es gab natürlich auch kleine highlights, der wodka war überall billig und trotzdem von guter qualität. in den besseren restaurants konnte man aus deutschland importiertes bier kriegen und wein aus bulgarien, oder ungarn.

wie gesagt das war in warschau und noch relativ akzeptabel. in der provinz aber wars ganz schlimm. in wroclaw, oder kattowice essen gehen, war ein graus. spottbillig, aber meistens schlicht ungenießbar. da bin ich einemal in zakopane gewesen, im auto mit einem mitarbeiter. na ja auto war übertrieben, das war ein polski fiat 126p und die reise damit an sich schon ein wahnsinn. dann auf der rückreise nach warschau ungefähr zehn uhr abends in radom ein hotel gesucht und gefunden. die zimmer nix besonderes, grad halt ein bett, eine dusche, kein ungeziefer sichtbar. hab ich aber noch hunger gehabt, na ja und um zehn am abend muß man doch noch was zum essen kriegen, oder? ja schon. nach einigen mühen hat der kellner ein kaltes schnitzel in grauslichen fett schwimmend, mitn stück brot und einem lauwarmen glas wein aufgetrieben. und radom ist eine stadt mit über 200.000 einwohner.

die situation hat sich im laufe der jahre, nach der wende 1989, zwar wesentlich gebessert, aber richtig gut gegessen habe ich in polen nie. es gab zum schluß meines aufenthaltes in polen ein paar akzeptable restaurants in warschau, aber von einem standard wie zum beispiel in wien wars immer noch weit entfernt.

baden, juli 2007

Schreibe einen Kommentar